Was ist eine Gruppendiskussion?


Studenten diskutieren in einer Gruppe

Eine Gruppendiskussion ist eine Methode zur Sozialforschung, bei der im Rahmen eines Interviews mehrere Personen gleichzeitig befragt werden. Einerseits können in einem Gruppeninterview die Meinungen und Einstellungen einzelner Untersuchungsteilnehmer herausgefunden werden, andererseits aufgrund der Gruppendynamik auch die der gesamten Gruppe. Dabei ist es von Interesse, die Prozesse zu durchleuchten, die zu der Meinungsbildung der Gruppe geführt haben


Gerne wird eine Gruppendiskussion in Assessment-Center angewandt, wo den Teilnehmern zum Beispiel beim Thema Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen oder soziales Verhalten „auf den Zahn gefühlt“ wird. 


Ziel einer Gruppendiskussion


Manche bevorzugen gegenüber dem Interview die Gruppendiskussion, weil sie eher den Einstellungen, Meinungen und Verhaltensweisen der Menschen im Alltag entspricht. Deshalb lassen sich dadurch individuelle Meinungen angemessener rekonstruieren. 

Durch die Analyse gemeinsamer Problemlösungsprozesse innerhalb der Gruppe wird ein anderer Ansatz verfolgt. Die Gruppe wird mit einem bestimmten Problem konfrontiert und muss über die Diskussion die ideale Strategie zur Lösung finden. 

Grundsätzlich ist zwischen der Gruppendiskussion zur besseren Analyse von Einzelmeinungen oder einer Meinung, die die individuelle übersteigt, zu unterscheiden. Aus diesem Grund sollten die Fragen sehr konkret formuliert werden


Ablauf einer Gruppendiskussion 


Eine Gruppendiskussion kann in folgende Abschnitte aufgeteilt werden: 

    1.    Am Anfang stehen die Datenerhebung und theoretische Vorüberlegungen. Dazu gehören Gedanken zu eventuellen psychischen Blockaden und deren Überwindung (Grundreiz, Reizargumente). Interessant ist auch die Zusammensetzung der Gruppe. 

    2.    Nach der Begrüßung folgt die Darstellung eines sogenannten Grundreizes durch die Moderation. Dadurch wird das Thema den Teilnehmern nahegebracht, dass in der Regel widersprüchlich ausgelegt ist und sich somit reichlich diskutieren lässt. 

    3.    In dem nun beginnenden Gespräch sollte der Forscher die Steuerung übernehmen. Er sollte unter anderem für jeden Teilnehmer die Zeit zum Reden bestimmen, sich selbst aber mit Äußerungen insgesamt sehr zurückhalten. Letztendlich leitet er die Diskussion und hält sie am Leben. 

    4.    Am Ende steht die Bewertung, meist eine Diskussion über die Diskussion. Sie enthält Informationen, ob sich die Teilnehmer frei fühlten oder wie sie den gesamten Gesprächsverlauf empfanden. 


Vor- und Nachteile der Gruppendiskussion 


Vorteile

•    In der Gruppe lassen sich zurückhaltende Teilnehmer eher zum Mitmachen animieren. 

•    Die Aussagen der einzelnen Teilnehmer haben oft eine tiefere Bedeutung, weil die Gruppe das Thema von allen Seiten betrachtet.

•    Der unterschiedliche Hintergrund offenbart die vielfältige Gedankenwelt.

•    Die Interviews gestalten sich durch die Auswahl der Teilnehmer und die Variation des Themas oft sehr flexibel, wobei sich die Meinungsvielfalt durch die Größe der Gruppe erhöht. 

•    Der Moderator bleibt sachlich, steuert die Gruppe und regt zur Meinungsabgabe an.

•    Durch einen neutralen Veranstaltungsort mit einer konzentrierten Atmosphäre werden die Teilnehmer nicht abgelenkt. 

•    Geringe Unterschiede im Status entspannen die Atmosphäre und regen das Gespräch an. Problematisch könnte es zum Beispiel bei einer Gruppe mit Ärzten und Patienten werden. 

Nachteile:

•    Durch ein dominantes, zeitintensives Auftreten einzelner Teilnehmer möchten zurückhaltende Teilnehmer ihre Meinung nicht mehr kundtun oder schließen sich einfach der Mehrheit an. 

•    Der Moderator könnte mit einer zu großen Gruppe überfordert sein.

•    Die Auswertung der Ergebnisse könnte die Zeit von Einzelinterviews übersteigen. 

•    Die anhand bestimmter Stichprobenkriterien zusammengestellte Gruppe könnte unbeabsichtigt die Auswertung beeinflussen, so dass es dem Ergebnis der Forschung des Auftraggebers entspricht. 

•    Für verwertbare Ergebnisse muss das Ablaufschema mit drei verschiedenen Phasen zwingend eingehalten werden. 

•    Die Gruppe sollte aus 6 bis 10 Personen bestehen, weil sonst die Redezeit für jeden zu knapp wird. Bei zu kleinen Gruppen tritt schnell der Fall ein, dass die Diskussion stockt oder gar versiegt. 

•    Professionelle Moderatoren sind kostspielig, das Rekrutierungsverfahren aufwendig und eine schriftliche Rekrutierung zeigt oft wenig Resonanz. 

•    Aufgrund der zu bewahrenden Anonymität könnte ein Teilnehmer bei einem Thema zum Bereich Gesundheit aus persönlichen Gründen absagen. 


Ideen und Themen zur Gruppendiskussion


Um die Einstellungen und Meinungen anderer Personen zu erfahren, bieten sich für eine Gruppendiskussion zum Beispiel folgende Themen an: 

•    Verhaltens- und Nutzungskonzepte
Zum Beispiel könnte diese Frage gestellt werden: „Wie nutzen Studierende der Medienwissenschaften Blogs?“

Zu diesem Thema könnte man Erfahrungen und Meinungen von Bachelor-Studierenden der Medienwissenschaft im Rahmen einer Gruppendiskussion sammeln. Interessant wäre auch ihr Standpunkt zu Blogs, ob und wie sie sie verwenden. 

•    Einstellungen
Dafür würde sich diese Frage anbieten: „Wie sind Berufstätige mit einem Lebensalter über 60 Jahre dem in Deutschland festgelegten Rentenalter gegenüber eingestellt?“

Zur Gruppendiskussion musst du eine Gruppe von berufstätigen Menschen über 60 Jahre zusammenstellen, die in einer Diskussion ihre Meinung zu diesem Thema sagen. 

•    Vorstellungen
Beispielsweise könnte diese Fragestellung in Betracht kommen: „Helfen Praktika beim Berufseinstieg?“

Dafür könntest du zum Beispiel die Meinungen einer Gruppe von Schulkindern im Alter zwischen 16 und 18 erfassen. Lasse sie frei darüber diskutieren, ob das Absolvieren von Praktika tatsächlich den Berufseinstieg erleichtert.

Grundsätzlich musst du bei einer Gruppendiskussion darauf achten, dass keiner individuelle Geschichten und Erfahrungen aufzeigt, wenn er das Wort hat. Vielmehr ist es das Ziel, dass die Gruppe in ihrer Gesamtheit eine Meinung vertritt. 


Häufig gestellte Fragen


Was ist eine Gruppendiskussion?
Damit kann qualitativ eine Datenerhebung erfolgen. Bei dieser Methode wird eine ausgewählte Gruppe an Teilnehmenden zeitgleich zu einem Thema befragt. 

Aus wie vielen Teilnehmern sollte eine Gruppendiskussion bestehen?
Als Leitfaden sollte gelten, dass eine Teilnehmeranzahl von 6 bis 10 Personen ideal ist. 

Warum sollte eine Gruppendiskussion stattfinden?
Es geht darum Informationen zu sammeln, die die Meinung einer Gruppe widerspiegelt.