Projektarbeit meistern

Neben dem berüchtigten Referat ist die Projektarbeit eine der beliebtesten akademischen Arbeits- und Forschungsmethoden in der Uni und der Schule. Obwohl bei einem solchen Projekt eine gewisse Ähnlichkeit zu einem Referat besteht, sind beide Arbeitsweisen grundsätzlich unterschiedlich.

Projektarbeit versus Referat

Der Kernunterschied liegt in der Komplexität der Sache selbst. Ein Projekt ist etwas, das in mehreren aneinander anknüpfenden und aufeinander aufbauenden Arbeitsschritten bis zur Vervollständigung ausgearbeitet wird. Ein Referat behandelt schlicht den Inhalt eines Themas. Bei einem Referat ist der thematische Rahmen sehr eng und der Weg vom Thema bis zum Vortrag ist durch wenige Arbeitsschritte recht übersichtlich. Die Arbeit an einem Projekt aber erfordert ein gutes Management – das Projektmanagement.

Projekt und Projektmanagement – zwei kryptische Begriffe

Oft werden sie benutzt, aber was bedeuten sie? Wenn man seine Kommilitonen in der Uni fragt, werden die meisten wohl sagen, dass es sich dabei um ein längeres Referat handelt. Dass es das nicht ist, haben Sie ja gerade gesehen. Was ist ein Projekt denn nun? Nach einer Definition, die für Unterricht, Universität und Unternehmen gleichermaßen gilt, ist ein „Projekt“ ein „Vorhaben, das im Wesentlichen durch Einmaligkeit der Bedingungen in ihrer Gesamtheit gekennzeichnet ist, z.B. Zielvorgabe, zeitliche, finanzielle, personelle und andere Begrenzungen, Abgrenzung gegenüber anderen Vorhaben, projektspezifische Organisation.“ Diese Definition nach DIN 69901 gibt einen Aufschluss darüber, was die Aufgabenstellung für die erfolgreiche Durchführung einer Projektarbeit sein könnte. Um jedem Optimisten gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Es ist nicht einfach, wie man denkt.

Projektarbeit

Arbeitsschritte im Projektmanagement

Die Bedingungen für die Komplettierung eines Projektes müssen ideal sein, wenn das Ergebnis gelingen soll. Dazu ist vor allem wichtig, handlungsorientiert zu arbeiten. Johann Heinrich Pestalozzi definierte handlungsorientierten Projektunterricht als arbeiten oder „lernen mit Kopf, Herz und Hand.“ Wieder ein Zitat. Jawohl, und es ist ein Hilfreiches. Was Herr Pestalozzi da so schön einfach formuliert besagt, dass man bei Projektarbeiten mit allen Sinnen arbeiten soll. Genau genommen geht es um Kompetenzen darum, alle Fähigkeiten auszuschöpfen. Aber wie sehen nun die Arbeitsschritte aus? Folgende – wohlgemerkt grobe – Übersicht soll einen ersten Eindruck geben.

Das Thema finden – die Konzeptphase

Was soll das Thema sein? Wollen Sie Unterricht planen? Wollen Sie eine Sendung konzipieren? Fragen über Fragen; und das ist gut. Besser ist es noch, wenn man im Anschluss an die Fragen bemüht ist, diese zu beantworten. Das führt nämlich dazu, dass das Projekt Gestalt annimmt und konkret wird, was auf die Beine gestellt werden soll. Dieser Anfang ist sehr schwammig und unbefriedigend, da noch kein greifbares Fundament gelegt wurde. Aber: es ist die Idee, auf die es ankommt.

Analysephase

Hier wird auf die Ergebnisse der Ideenfindung aufgebaut. Das heißt hier wird mittels Kreativitätsmethoden (Brainstorming, Flow writing, etc.) herausgefunden, was man braucht, um die Idee umzusetzen. Alle notwendigen Informationen zu dem gewählten Thema sind zu suchen. Außerdem soll weiter an der Idee geschliffen werden. In diesen ersten beiden Phasen sollten Schüler und Studenten alleine (ohne Hilfe von Lehrer oder Dozent) arbeiten, da hier der Kreativität freien Lauf gelassen werden muss. Spinner und Träumer haben es hier besonders leicht. Am Ende dieser Phase sollte man das sogenannte Mission-Statement aufstellen. Es formuliert ein zu lösendes Problem oder das Ziel der Projektarbeit und die Aufgabe ist es, ab jetzt sich mit der Erfüllung des Mission-Statements zu beschäftigen. Es dient außerdem als roter Faden.

Strukturierungsphase

Nun wird es weniger kreativ. Es gilt, der kreativen Schwammigkeit Struktur zu geben. Das bedeutet, dass das bisherige Ergebnis in Arbeitspakete eingeteilt werden muss. Diese Arbeitspakete müssen zeitlich in einen sogenannten Projektstrukturplan eingegliedert werden. Es gilt herauszufinden, was wann gemacht werden muss, was gleichzeitig zu erledigen ist und wann die Durchführung eines bestimmten Arbeitspaketes den größten Erfolg verspricht. In der Regel ist dies, die aufwendigste Phase.
Nach dem zeitlichen Strukturieren muss nun noch personell strukturiert werden. Die Methoden hierfür sind logisch wie simpel. Es muss nach Kompetenzen gegangen werden. In einer Gruppe die aus einem Literaturwissenschaftler einem Ingenieur und einem Kulturwissenschaftler besteht ist klar, dass der Literaturwissenschaftler sich nicht um die Planung Bühnenkonstruktion für ein Festival kümmert. Genauso sollte der Ingenieur darauf verzichten, die Werbung zu designen. Niemand soll hier sein eigenes Süppchen kochen und jeder soll sich breitflächig eingebunden fühlen, doch auf Kernkompetenzen muss Rücksicht genommen werden.

Durchführung

Es kommt schließlich zur Durchführung des Geplanten. Hier zeigt sich, ob die Vorbereitung aus den vorhergehenden Phasen zum Ziel führt oder ins Leere läuft. Es ist wichtig, dass in dieser, wie in allen anderen Phasen alle Team-Mitglieder zusammen, trotzdem selbstständig und nicht gegeneinander arbeiten. Ob das geklappt hat, zeigt sich später in der Qualität des Endergebnisses.

Abschluss – die Auswertung

Schließlich ist die Durchführung zu Ende. Anstatt nun alles hinter sich zu lassen, muss von allen Beschäftigten das Geschehene ausgewertet werden. Die Beiträge jedes einzelnen müssen zusammengefasst und in einem abschließenden Artikel festgehalten werden. Und warum? Ganz einfach: Sollte jemals wieder eine Projektarbeit umgesetzt werden, kann die Dokumentation helfen, es wieder genauso erfolgreich zu machen.

Präsentation – Das Finale

Hier sollte jeder idealerweise den Bereich vorstellen, den er bearbeitet hat. Niemand kennt sich mit dem Marketing so gut aus, wie der Typ, der sich um das Marketing gekümmert hat. Sinnvoll für eine Präsentation, die eine Projektarbeit vorstellt ist es, sie in zeitliche Schranken zu fassen. Das heißt dreißig Minuten, höchstens. Andere Methoden sind die sogenannten Pitches, hierbei wird ein Projekt im groben in wenigen Minuten vorgestellt. Meist nicht mehr als 10 Minuten. In Marketing- und Werbeagenturen nutzt man diese Methode häufig. Ebenfalls berühmt ist der Elevator-Pitch. Bei diesem wird in wenigen Sekunden eine Idee so dargestellt, dass das Interesse des Gegenübers geweckt wird. Dieser Pitch dauert meistens nicht länger als 30 bis 120 Sekunden; solange wie eine durchschnittliche Aufzugfahrt.